Der Heilige Kelch in der Kathedrale von Valencia

Der Heilige Kelch in der Kathedrale von Valencia
Der Heilige Kelch in der Kathedrale von Valencia. Foto: Fernando Pascullo/Wikimedia Commons – CC BY-SA 4.0.
Geschichte Valencias

Der Heilige Kelch von Valencia: die Reliquie, die Napoleon entkam

In der Kathedrale von Valencia wird eines der außergewöhnlichsten religiösen Objekte der Welt aufbewahrt. Der Heilige Kelch überstand Krieg, Plünderungen und sogar einen Schiffbruch.

Der Kelch des letzten Abendmahls

Nach christlicher Überlieferung soll Jesus diesen Kelch beim letzten Abendmahl benutzt haben. Am Abend vor seiner Kreuzigung teilte er mit seinen Aposteln Brot und Wein. Im Christentum gilt dieses Ereignis als Ursprung der Eucharistie, in der an das Leben, das Opfer und die Botschaft Jesu erinnert wird.

Für viele Gläubige ist der Heilige Kelch daher weit mehr als ein wertvoller historischer Gegenstand. Er symbolisiert Verbundenheit, Opferbereitschaft, Vergebung und Hoffnung. Außerdem wird er häufig mit dem legendären Heiligen Gral in Verbindung gebracht, nach dem die Ritter mittelalterlicher Erzählungen jahrhundertelang gesucht haben sollen.

Ob es sich tatsächlich um den von Jesus verwendeten Kelch handelt, lässt sich nicht zweifelsfrei beweisen. Fest steht jedoch, dass sein oberer Teil eine sehr alte Trinkschale aus Achat ist, die aus dem Nahen Osten stammt. Der reich verzierte Fuß und die goldenen Henkel wurden erst Jahrhunderte später hinzugefügt.

Eine der größten Plünderungen der Geschichte

Während der napoleonischen Invasion Spaniens drohte auch dieser außergewöhnliche Schatz verloren zu gehen. Die französische Armee plünderte Kirchen, Klöster, Paläste und sogar königliche Grabstätten. Kunstwerke, Gold, Silber und religiöse Gegenstände wurden geraubt oder eingeschmolzen.

Nach Ansicht des Historikers Francisco García del Junco gehörten die von Napoleons Truppen in Spanien verübten Kunstraube zu den größten Plünderungen der Geschichte. Er vergleicht ihr Ausmaß mit dem systematischen Kunstraub während des Zweiten Weltkriegs.

In einer kleinen Kiste versteckt

Damit der Heilige Kelch nicht in französische Hände fiel, wurde er von Valencia zunächst nach Alicante und anschließend auf dem Seeweg nach Ibiza gebracht. Der Kelch war in einer kleinen Kiste verborgen, die zusammen mit Dutzenden weiteren Kisten voller wertvoller Gegenstände aus der Kathedrale transportiert wurde.

Während der Überfahrt gerieten die Schiffe in einen schweren Sturm und erlitten Schiffbruch. Von den etwa sechzig Kisten konnten lediglich zweiundzwanzig gerettet werden. Wie durch ein Wunder befand sich darunter auch die kleine Kiste mit dem Heiligen Kelch.

Der mutige Hüter des Kelches

Der valencianische Priester Pedro Vicente Calbo, dessen Familienname auch als Calvo geschrieben wird, spielte eine entscheidende Rolle beim Schutz des Kelches. Er vertraute fast niemandem und hielt den Aufenthaltsort der Reliquie streng geheim.

Niemand durfte den Heiligen Kelch ohne seine Zustimmung bewachen oder an einen anderen Ort bringen. Was manche vielleicht als übertriebenes Misstrauen betrachteten, rettete letztlich einen der größten Schätze Valencias.

Nach Jahren voller Reisen, Krieg und Gefahren kehrte der Heilige Kelch schließlich unversehrt nach Valencia zurück.

Wo kann man den Heiligen Kelch sehen?

Der Heilige Kelch wird in der Capilla del Santo Cáliz, der Kapelle des Heiligen Kelches, in der Kathedrale von Valencia aufbewahrt. Die Kathedrale befindet sich im historischen Zentrum zwischen der Plaza de la Reina und der Plaza de la Virgen. Die Reliquie wird hinter Schutzglas über dem Altar der Kapelle präsentiert.

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Der Text basiert auf den Forschungen des Historikers Francisco García del Junco, Autor des Buches Los robos de Napoleón en España. Informieren Sie sich vor Ihrem Besuch über die aktuellen Öffnungszeiten der Kathedrale.

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